Geschichte

Der Hirsmontag war über Jahrhunderte ein bedeutender Höhepunkt im gesellschaftlichen Leben der Entlebucher. Vier Schwerpunkten machten den Brauch einzigartig: der Hirsmontagsbote, der Hirsmontagsbrief, der Stoss und das Hirsenmahl. Der Bote kam hoch zu Ross aus dem Nachbarort und verlas den Hirsmontagsbrief mit lustigen Vorkommnissen in Knittelversen. Anschliessend wurde zum Stoss aufgerufen. In zwei Reihen stellten sich die Männer der zwei benachbarten Gemeinden auf und kämpften mit Schulterstossen um den Sieg. Nachher freute man sich am Hirsenmahl. Der Name Hirsmontag kommt aber nicht allein von der Volksspeise Hirse, sondern vom uraltdeutschen Begriff „hirzen“, das gleich wie „gäuden“ (Güdismontag) Schmausen und Zechen bedeutet.

Aus dem 18. und 19. Jahrhundert gibt es verschiedene Textquellen, die den Brauch ausführlich beschreiben:

  • Etrennes Helvétiennes, Lausanne, 1814, S. 33 – 47: Le Carnaval de l’Entlibouch
  • Stalder, F.J. : Fragmente über das Entlebuch, 1798, Bd. 2 S. 78 – 115: Der Hirsmontag
  • Alpenrose, ein Schweizer Taschenbuch, 1828
 Schweizer, J.: Die Hirsmontagsfeyer im Entlebuch, S. 367 -389
  • Festgabe für Dr. H. Portmann zum 75. Geburtstag
 Jg. 1951, S. 65 -74, Hirsmontagsbrief im Kapuzinerkloster Schüpfheim verlesen anno 1806
  • Pfyffer, Kasimir: Der Kanton Luzern, Der Hirsmontag im Entlebuch, Jg. 1858, Bd. 1, S. 318
  • Luzernisches Wochenblatt: Der Hirsmontag im Entlebuch, Dienstag, 25. Hornung 1783, Jg.III
  • Beschreibung besondere etlicher Berge des Entlibuches, Hirsmontag der Entlibucher, Jg. 1783
  • Aus dem Luzerner Ratsprotokoll vom 12. Januar 1728

„Auf Anzug, dass der im Land Entlibuech bis dahin geläbte Brauch unanstendig seÿe, haben U.H.G. und Oberen sich erkennet, dass bemelter Brauch in bequemerer Zeit als in der Fasnacht ( Fastenzeit ) wohl könnte erlaubt werden, zwahr mit heiterem und ernstlichen Vermahnen, dass besagte des Entlibuech geistlich- und weltlichen Ehren und der Jugend an der Unschuld in Wort und Schrift verschone und sich in Frid- und Leutseligkeit vertragen sollen wie daherig ein Ruef ist in das Land ergangen worden.“

(Durch die Kirche waren die Länge der Fastenzeit und der Kalender angepasst worden und der Hirsmändig war dann am Montag nach dem Aschermittwoch.)

Ursprung

Der Ursprung des Hirsmontag ist in Legenden und Sagen überliefert. In den Textquellen werden diese zitiert. Einheitlich weisen sie auf den Guglerkrieg bei Buttisholz hin, wo die Entlebucher gegen die Engländer 1375 zu einem glanzvollen Sieg verhalfen. Der Bericht vom letzten Gugler, dem die Entlebucher die Nase abschnitten und diese zur Abschreckung nach England sandten, ist dabei wohl ein erzählerischer Höhenflug. Hingegen deuten verschiedene Indizien darauf hin, dass der Hirsmändigsbrauch wirklich nach 1375 als Schlachtfeier entstand.  Dass die Benennung der Gegner beim Stoss und die Kleidung des Boten über die Jahrhunderte vom Zeitgeschehen beeinflusst wurden, ist nachvollziehbar.

Auferstehung

Die Luzerner Obrigkeit sah im Hirsmontag ein aufmüpfiges, unsittliches Treiben und man verbot im Jahr 1740 den Brauch. Natürlich wurde trotzdem weitergefeiert, bis in den kargen Hungerszeiten, Ende 19. Jahrhundert, den Entlebuchern die Lust an der Fasnacht selber verging. Der Brauch verschwand.

Der Hirsmändig war fast ein Jahrhundert lang vergessen. 1992 hat sich eine Gruppe von Einheimischen aus Flühli und Sörenberg dieser alten Entlebucher Tradition angenommen und sich zur Aufgabe gemacht, dieses Brauchtum im Sinn und Geist der Altvorderen wieder zu beleben.

Unterstützung von Luzern

Im Bericht zum Guglerkrieg lesen wir, dass der Erfolg der Entlebucher gegen das Gugleraufgebot bei Buttisholz von Luzern mit Achtung und Lob bedacht wurde und trug ihnen die spätere Schirmherrschaft Luzerns ein. Mit der Wiedergeburt der Hirsmändigsfeier ist auch die Schirmherrschaft von Luzern symbolisch neu aufgelebte. Der gute Geist von Stadt und Land wird von der löblichen Sankt Jakobsbruderschaft zu Luzern am Hirsmändig in Flühli vorbildlich gepflegt.

Aus dem Luzerner Ratsprotokoll
vom 12. Januar 1728

Übersetzung

Auf Anzug, dass der im Land Entlibuech bis dahin geläbte Brauch unanstendig seÿe, haben U.H.G. und Oberen sich erkennet, dass bemelter Brauch in bequemerer Zeit als in der Fasnacht wohl könnte erlaubt werden, zwahr mit heiterem und ernstlichen Vermahnen, dass besagte des Entlibuech geistlich- und weltlichen Ehren und der Jugend an der Unschuld in Wort und Schrift verschone und sich in Frid- und Leutseligkeit vertragen sollen wie daherig ein Ruef ist in das Land ergangen worden.

Actum d. 1. Tag Hornung vor U. G. Herren undt Oberen Schultheiss und Rath der Statt Lucern.

Auf gehaltenen Bericht, dass durch zwar schon alten Missbrauch in dem Land Entlibuoch durch einen so genanten Hirs-Montags-Brief, welcher dermahlen auf den schmuzigen Donstag verlegt, von einem Amt gegen dem anderen allerhandt Sachen (so das Jahr hindurch vorbeÿ gegangen), welche eines Theils nit jederman kundig und bewuss, anderen Theils aber auch die Ehr des nebenmöntschen schädigen und selber nachtheilig sein, durch offentliche Belesung desselben in der mänigkligen offenbahr und wüssend gemacht werden, haben U. G. Herren undt Oberen in ansächung dass solches Brief-Schiken und Verlesen wider das Gesatz der Christlichen liebe laufe, undt mancher deshalben an seiner Ehr und guten namen widerächtlich und offentlich verkürzt werden könne, angesächen, geordnet undt erkönt, dass zur Abhebung aller besorgenden Misshelligkeiten , so mit der Zeith daraus entstehen möchten oder könnten, ersagter Hirsmontag oder schmuziger Donstag-Brief von nun an untertrükht und abgethan pleiben solle. Sollten aber U. G. Herren und Oberen gesambte angehörige des Lands Entlibuoch etwas darwider einzuwenden haben, solle ihnen geneigt undt gnädiges gehör zu ertheilen würklichen zugesagt sein.

Actum ut supra.XX

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